Dennis Meadows e.a., Die Grenzen des Wachstums.1

Warum wurde dieser Bericht an den Club of Rome geschrieben?

Zunächst ist grundsätzlich festzuhalten, dass die Thematik der Nachhaltigkeit es aus zwei Gründen schwer hat:

  1. Zum einen sind wir mit den Problemen unseres Nahhorizonts beschäftigt: Wenn wir die menschlichen Sorgen nach Raum und Zeit von nah auf fern einteilen, also die Zeit nach der kommenden Woche, nach den nächsten Jahren, nach der Lebensspanne und zuletzt nach der Lebensspanne der Kinder, und den Raum nach dem Familienumfeld, der Nachbarschaft oder der Stadt, in der wir leben, auf die Nation und zuletzt auf die gesamte Erde aufteilen, so wird man ohne große statistische Analysen unmittelbar erkennen, dass die meisten Menschen sich auf das konzentrieren, was in ihrer Familie in der kommenden Woche passieren wird. Was in der Lebensspanne der Kinder passieren wird, interessiert nur eine kleine Minderheit. Und noch weniger im Mittelpunkt des Interesses steht die Erde als Ganzes, sowohl in der eigenen Lebensspanne als auch in der ferneren Lebensspanne der Kinder.
    Diese Kurzsichtigkeit kann aber fatale Folgen haben: Ein Krieg kann die sorgfältig bearbeiteten Felder eines Bauern verwüsten, die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes kann durch eine globale Entwicklung zunichte gemacht werden oder, wie aktuell, die Erderwärmung lässt Völker leiden, die nichts mit der Erhöhung des Kohlendioxidausstoßes zu tun hatten.
  1. Zum anderen nehmen wir das Phänomen des exponentiellen Wachstums nur ungenügend wahr. Als Beispiel sei das Teichlilienrätsel genannt:
    Eine Lilie in einem Gartenteich, die die jeden Tag auf die doppelte Größe anwächst, soll den ganzen Teich in 30 Tagen bedecken können, woraufhin alles Leben im Wasser erstickt wird. Ihr Wachstum wird nicht beängstigend erscheinen, und auch am 29. Tag wird niemand daran denken, sie zurückzuschneiden: Der halbe Teich ist ja noch leer. Doch schon am nächsten Tag ist es zu spät: Der Teich ist vollkommen zugewachsen.
    Oder:
    Moderne Großtanker auf dem Weg nach New York, die einen Bremsvorgang erst dann einleiten, wenn die Skyline der Wolkenkratzer zu erkennen ist, werden mit ungeheurer Wucht an die Hafenmauern knallen. Es muss rechtzeitig, schon auf hoher See gebremst werden, bevor noch irgendeine Silhouette von New York erkennbar ist.

Welches Wachstum ist analysiert worden?

Folgende fünf Trends sind in ihrer Entwicklungsrichtung und in ihren Wechselwirkungen mithilfe des von Jay W. Forrester am MIT entwickelten, computergestützten Weltmodells untersucht worden:

  1. die beschleunigte Industrialisierung
  2. das rapide Bevölkerungswachstum
  3. die weltweite Unterernährung
  4. die Ausbeutung der Rohstoffreserven
  5. die Zerstörung des natürlichen Lebensraums

Es ergeben sich folgende Schlussfolgerungen:

  1. Die absoluten Wachstumsgrenzen auf der Erde werden in den nächsten 100 Jahren erreicht
  2. Ein ökologischer und wirtschaftlicher Gleichgewichtszustand, der die materiellen Lebensgrundlagen für jeden Menschen auf der Erde sicherstellt, könnte erreicht werden
  3. Je eher die Menschheit diesen Gleichgewichtszustand anstrebt, desto größer sind die Chancen, ihn auch zu erreichen.

Die Autoren betonen, dass es aber auch Wachstum im Zustand des Gleichgewichts geben kann, was J. Stuart Mill schon früh erkannt hat:

“Es erscheint kaum notwendig, besonders zu betonen, dass ein Zustand konstanten Kapitals und gleichbleibender Bevölkerungszahl nicht mit einem stillstehenden Zustand menschlicher Erfindergabe gleichzusetzen ist. Es gäbe ebensoviel Spielraum für alle Arten geistiger Kultur, für moralischen und sozialen Fortschritt, genau so viele Möglichkeiten, die Lebensführung zu verbessern und es wäre wahrscheinlicher, das dies auch geschehen würde.” (John Stuart Mill, zit. n. Flechtheim 1984: 19-20)

Auch in Bezug auf Naturwissenschaft und Technologie ist Wachstum sinnvoll. Vor allem auf folgendem Gebiet:

Mögliche Einwände:

Die entscheidende Einsicht

Die Autoren betonen, dass entscheidend für die Frage, ob die Menschheit auf diesem Planeten eine nachhaltige Zukunft haben wird, die Definition der menschlichen Wertmaßstäbe sein wird. Wollen wir mehr Natur oder mehr Auto? Mehr Nahrung für die Armen oder mehr Dienstleistungen für die Reichen? Mehr Konsum oder mehr Kultur? Mehr Miteinander oder mehr Konkurrenz?

Wir sind schließlich überzeugt, dass jeder vernünftige Versuch, einen dauerhaften Gleichgewichtszusand durch geplante Maßnahmen herbeizuführen, letztlich nur bei grundsätzlicher Änderung der Wert- und Zielvorstellungen des einzelnen, der Völker und auf Weltebene von Erfolg geköont sein wird. (170)

Dennoch formulieren die Autoren 1973 am Ende ihres Berichts voller Optimismus ihr Vertrauen “darauf, dass schon unsere Generation diese Herausforderung annehmen wird, wenn sie nur die tragischen Konsequenzen weiterer Tatenlosigkeit richtig einschätzt. (173)”

1 Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1973