Jorgen Randers, 2052

Der neue Bericht an den Club of Rome. München ²2013.

Bis zum Jahr 2052 werden vermehrt Schäden durch Wetterkatastrophen eintreten, die die Weltgesellschaft dazu motivieren werden, den Kohlendioxid-Ausstoß zu entschieden zu verringern. Durch die Reparatur der durch die Klimaerwärmung verursachten Schäden und durch die notwendigen Vorsorgemaßnahmen wird global der Konsum sinken, die Armen werden arm bleiben. Trotz der angenommenen Versuche, die Erwärmung auf 2°C zu beschränken, wird nicht sicher sein, ob sie ausreichen werden, eine sich selbst verstärkende Klimaerwärmung in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts zu verhindern, die dann nicht mehr gestoppt werden kann, was für die Weltgesellschaft katastrophale Folgen hätte.

Zur Web-Präsentation des Buches siehe: www.2052.info

Randers’ Analyse bewegt schon durch ihr Vorwort, da er nicht nur unbekümmert eine durch Fakten belegte wissenschaftliche Prognose vorstellt, sondern sich bewusst ist, dass durch sie emotionale Prozesse ausgelöst werden, die zu Pessimismus und Depressionen führen können. Und er fürchtet, die Motivation der Menschen, die sich für eine von Nachhaltigkeit geprägte Zukunft der Menschheit einsetzen, könne durch seine Prognose gelähmt werden.

Er ist aber überzeugt davon, dass der erste Schritt zu seelischem Frieden der sein wird, sich “mit der Welt vertraut zumachen, die in der Zukunft unsere Heimat sein wird, anstatt von der Welt zu träumen, die es hätte geben können.” (23)

Warum ein zweiter Bericht an den Club of Rome?

Während 1972 der erste Bericht an den Club of Rome mit den “Grenzen des Wachstums” nur eine fundierte Szenario-Analyse darstellte, die zeigen sollte, dass die Menschheit im Begriff ist, “auf gefährliche Weise über die materiellen Grenzen unseres Planeten hinauszuwachsen”, soll der aktuelle Bericht diesmal eine “wohlbegründete Vermutung” liefern, der auf einer präzisen und sachkundigen Beurteilung beruht.

Das Fazit der “Grenzen des Wachstums” lautete:

Das Untergangs-Szenario

Das Szenario 1 in den “Grenzen des Wachstums” zeigt im Folgenden, wie das System zusammenbrechen wird, wenn das Wachstum und die Ausbeutung der Rohstoffe so weiterlaufen werden wie bisher: Gegen 2030 ist das Maximum der Nahrungsmittelproduktion erreicht, die Industrieproduktion steigt aber noch unaufhaltsam an, während die Rohstoffvorräte radikal ausgebeutet werden und die Umweltverschmutzung exponentiell zunimmt. Nach 2030 stürzen die Industrieproduktion und die Nahrungsmittelproduktion steil ab, und Hunger, wirtschaftlicher Zusammenbruch und Umweltverschmutzung führen schließlich dazu, dass die Bevölkerung abnimmt. Die Umwelt wird sich erholen, aber die Menschheit leidet an Hunger und die Produktion von Gütern und Dienstleistungen wird auf dem Niveau von 1900 sein, bei doppelter Bevölkerungszahl. Die nicht erneuerbaren Rohstoffe sind erschöpft.

Das Gleichgewichts-Szenario

Dass es nicht so kommen muss, zeigt Szenario 9: Die Menschheit hat sich entschlossen, nachhaltig zu wirtschaften, und durch verbessertes Recycling und effizientere Produktionsverfahren die nicht erneuerbaren Rohstoffe zu schonen. Die Industrieproduktion bleibt auf einem konstanten, aber hohen Niveau, die Umweltverschmutzung wird zwar zunächst noch steigen, aber die Maßnahmen zum Schutz der Umwelt werden nach 2040 greifen und den künftigen Generationen eine lebenswerte Umwelt hinterlassen. Die Nahrungsmittelproduktion wird daher nur vorübergehend einbrechen, aber Böden und Wasser werden zunehmend fruchtbare Ernten garantieren, so dass langfristig genug Nahrung für alle Menschen auf der Welt vorhanden sein wird, wenn es der Menschheit gelungen ist, mit Maßnahmen der Geburtenregelung zu verhindern, dass sie exponentiell wächst. Die Menschheit wird sich im Gleichgewicht mit dem Ökosystem Erde befinden.

1972 wurde noch für möglich gehalten, dass das Überschießen des ökologischen Fußabdrucks während der ersten Hälfte des 21.Jahrhunderts gestoppt wird. 40 Jahre nach dem ersten Bericht an den Club of Rome hat sich dagegen gezeigt, dass die Menschheit zu langsam reagiert und dass sie in einen overshoot geraten ist. Ein zweiter Bericht an den Club of Rome soll daher untersuchen, wie die Entwicklung in den nächsten 40 Jahren verlaufen wird, gestützt auf eine breite Datenbasis und unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Menschen dazu neigen, erst dann zu handeln, wenn es fast schon zu spät ist. 2012 wagt Randers eine Prognose durch eine quantitative Analyse des Szenarios 3 aus den “Grenzen des Wachstums” mit folgenden Schwerpunkten:

Die wichtigsten Botschaften der Prognose bis 2052:

Diagramm 1:

Erläuterung:1

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird nach 2052 abnehmen, weil die unzureichenden Bemühungen, gegen die Ressourcenerschöpfung, die Umweltverschmutzung, den Klimawandel und den Verlust der biologischen Vielfalt anzukämpfen, immer höhere Investionen erfordern. Die Konsummöglichkeiten der Bürger werden daher merkbar langsamer wachsen und schon nach 2050 zurückgehen.

Die Nahrungsmittelproduktion wird nach 2040 sinken, weil die landwirtschaftlich nutzbare Fläche immer kleiner wird. Die Armen der Welt werden weiter hungern. Wegen der steigenden Energieeffizienz wird der Energieverbrauch pro Kopf schrittweise sinken.

Die globale Erwärmung wird sich kontinuierlich fortsetzen und um 2052 die 2°C Grenze erreicht haben. Unter der Annahme, dass die weltweiten CO2-Emissionen aufgrund der Maßnahmen, die vor 2050 ergriffen worden sind, von 2050-2100 linear sinken werden, wird die globale Erwärmung bei 2.8°C ihren Höchsstand erreichen.

Der ökologische Preis, den die Menschheit zu zahlen hat, ist der kontinuierliche Rückgang ungenutzter Biokapazität. Und das bisschen freier Boden, der 2010 noch für Gebäude und Infrastruktur, für Land- und Forstwirtschaft zur Verfügung stand, wird auf die Hälfte geschrumpft sein. Der Meeresspiegel wird um 56 cm höher als im vorindustriellen Zeitalter sein.

Diagramm 2:

Erläuterung:

Die weltweiten CO²-Emissionen erreichen im Jahr 2030 ihren Spitzenwert. Dank des rapide steigenden Anteils der erneuerbaren Energie und zunehmender Energieeffizienz sinken sie dann auf den Wert von 2010. Die Nahrungsmittelproduktion kann nach 2040 nicht mehr wachsen, weil dann aufgrund des Klimawandels die landwirtschaftlich nutzbare Fläche immer kleiner wird und die Böden ihren Ertrag nur noch langsam steigern können.

Diagramm 3:

Erläuterung:

Der Anteil der Güter und Dienstleistungen, die der einzelne produziert, steigt an, aber da der Anteil der Investionen für die Instandsetzungsarbeiten und technischen Anpassungen an den Klimawandel zunimmt, stagniert der Anteil, der dem einzelnen für den Konsum bleibt, was zu Spannungen und gesellschaftlichen Konflikten führen wird.
Die globale Nahrungsmittelproduktion stagniert 2040 auf einem Niveau, das 60% über dem von 2010 liegt, aufgrund der ungerechten Verteilung bleibt global für den einzelnen aber nur ein Drittel mehr für die Ernährung als im Jahr 2010. Der Vergleich der Kurven für den Nahrungsverbrauch pro Person in den USA und im Rest der Welt (RDW) zeigt deutlich, dass ein Drittel der Menschheit dauerhaft hungern wird.

Fazit:

Im Gegensatz zu den derzeitigen gängigen Annahmen, dass 2052 die Weltbevölkerung 9,5 Milliarden Menschen betragen werde und die Weltwirtschaft viermal so groß sein wie zur Zeit, deutet Randers’ Prognose auf keine unlösbaren Probleme in Bezug auf Öl, Nahrungsmittel, Wasser oder andere Ressourcen hin, denn ein Großteil der Weltbevölkerung wird arm bleiben. Die Prognose zeigt aber auch, dass das Problem der Klimaerwärmung gelöst werden muss. In diese Prognose ist eine quantitative Schätzung der Maßnahmen, die noch auf dem Verhandlungswege zwischen den Nationen beschlossen werden müssen, eingebaut, und sie sagt voraus, dass die Antwort der Menschen auf den Klimawandel so zögerlich sein wird, dass es “unmöglich ist einzuschätzen, ob diese Antwort den sich selbst verstärkenden Klimawandel im 21. Jahrhundert unter der Grenze von 2°C halten wird. Seiner Prognose nach wird um das Jahr 2080 die Erderwärmung um 2,8°C zugenommen haben, womit der Schwellenwert kritisch überschritten sein wird.

Welche Möglichkeiten haben wir noch?

Weite Teile der Bevölkerung werden nicht in der Lage sein, groß etwas zu unternehmen, denn sie “werden keine Zeit haben, etwas anderes zu tun als zu arbeiten, um auch nur einigermaßen über die Runden zu kommen.” Wahrscheinlich ist aber auch, dass die demokratische Mehrheit der Wähler nicht bereit sein wird Opfer zu bringen. Die Mehrheit der Wähler wird sich nur an einer kurzfristigen Perspektive orientieren, so dass die Einsicht, dass wir handeln und Opfer bringen müssen, spät kommen wird, und das entschiedene Handeln selbst wird noch später einsetzen.

Die Erfahrungen der letzten 50 Jahre haben gezeigt, dass die Lösung gegen die Armut von den Menschen vor Ort selbst kommen muss, und dass sie geordnete, verlässliche Rahmenbedingungen, eine geringe Korruption und ausreichende Investionen in die Zukunft benötigt. Statt die Resourcen eines Entwicklungslandes an ausländische Investoren zu verkaufen, ware es sinnvoller, sie für den Aufbau des Landes zu verwenden. Was schwierig zu verwirklichen sein wird in einer Welt, die von einem schrankenlosen Kapitalismus beherrscht wird.

Vergleich mit anderen Zukunftsmodellen

Die “Grenzen des Wachstums” und das diesem Bericht zugrunde liegende system-dynamische Modell “World3” basieren auf dem Konzept von Grenzüberziehung und Zusammenbruch. Wenn der Umwelt eine Last auferlegt wird, die deren Tragfähigkeit übersteigt, kann ihre Regenerationsfähigkeit zeitweise oder für immer zerstört werden. Wenn der letzte Fisch gefangen ist, dann wird es nie mehr Fische geben. (356)

Die Grenzüberziehung kennt folgende Logik:

1. Es gibt einen ökologischen Fußabdruck der Menschheit

Er ist definiert als die Landfläche, die nötig ist, um die Menge an Nahrung, Fleisch, Holz und Fisch zu produzieren, die wir konsumieren, und die Fläche, die wir verbauen und mit Infrastruktur bedecken. Der nicht-energetische Fußabdruck nimmt zwar pro Kopf ab, aber da die Menschheit insgesamt wächst, wird auch er größer werden. Mit der Landfläche, die wir für unsere Energieerzeugung verbrauchen, benötigen wir mittlerweile 1,4 Planeten Erde.

2. Er vergrößert sich

Dem technischen Fortschritt im Erhalten der Rohstoffvorräte und in der Vermeidung von Umweltverschmutzung gelingt es nicht, den ökologischen Fußabdruck zu verkleinern oder in Grenzen zu halten.

3. Er kann die Tragfähigkeit des Planeten kurzfristig überschreiten

Man kann (unbemerkt) mehr Bäume fallen, als im Wald nachwachsen, solange man mit einem vollen Wald anfängt. Sobald der Waldpuffer aber verbraucht ist, droht der Zusammenbruch des Systems.

4. Verzögerte Entscheidungen erhöhen das Risiko der Grenzüberziehung

Während die menschliche Gesellschaft sich erst langsam darauf einigt, dass tatsächlich eine Grenzüberziehung, ein overshoot, vorliegt, und während sie sich erst mühsam über Jahrzehnte dazu aufraffen wird, für ihre nationalen und globalen Institutionen Gesetze zu erlassen, die dem Raubbau der globalen Ressourcen und ihrer Ökosysteme Einhalt gebieten, und während es noch Jahrzehnte braucht, bis diese Gesetze vor Ort auch tatsächlich umgesetzt sind, werden die Grenzen des Planeten Tag für Tag überschritten. So befindet sich die Welt des Jahres 2012 bereits im overshoot: Der menschliche Anspruch an die Biosphäre überschreitet die globale Biokapazität um 40 Prozent, die Treibhausgasemissionen sind doppelt so hoch wie die Menge, die von den Meeren und der Atmosphäre aufgenommen werden können, die Fischbestände sind stark zurückgegangen und die tropischen Regenwälder werden nach wie vor gerodet.

5. Der Grenzüberziehung folgen unvermeidbar ein Zusammenbruch oder eine kontrollierte Schrumpfung

Als Beispiel sei der Zusammenbruch der kanadischen Kabeljau-Fischerei nach 1992 genannt: Nach zwei Jahrzehnten ohne Fischfang hat sich der Fischbestand noch nicht erholt. Während das Montrealer Protokoll von 1987 die kontrollierte Schrumpfung des Ausstoßes von FCKW-Gasen eine weitere Ausbreitung des Ozonlochs verhindert hat.

6. Eine vorausschauende Politik verhindert die Grenzüberziehung

Eine langfristige Planung ist schwierig in Demokratien, die von kurzfristig denkenden Wählern bestimmt werden, und in Märkten, die von kurzfristig denkenden Investoren bestimmt werden. Auch der Glaube an den technischen Fortschritt kann verhindern, dass langfristige Lösungen geplant werden (vgl. Milleniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen)

Einwände

Der Haupteinwand wird sein, dass eine Prognose über die Zukunft der Welt bis 2052 nicht möglich sein wird. Randers differenziert daraufhin: Einzelne Ereignisse in der Zukunft können nicht vorhergesagt werden, aber generelle Entwicklungen sehr wohl. Wenn z.B. der allgemeine Trend dahin geht, dass Frauen, die der städtisch geprägten unteren Mittelschicht angehören, weniger Kinder haben als Frauen, die auf dem Land leben, ungebildet und arm sind, dann ist es zwar unmöglich vorherzusagen, ob Randers’ Tochter ein Kind haben wird, aber man kann davon ausgehen, dass im statistischen Mittel mit zunehmender Industrialisierung die Zahl der Kinder pro Mutter abnehmen wird.

Randers will es vermeiden, Visionen anzubieten, wie die Welt sein sollte, sondern den Blick dafür schärfen, was passieren wird, wenn das derzeit gültige Paradigma ungeprüft als Leitziel der Weltgesellschaft vorausgesetzt wird. Folgende Grundüberzeugungen etwa müssten hinterfragt werden:

Und wie sicher sind die zwei tragenden Säulen seines Modells?

Wenn die Fertilität nicht so schnell sinkt, wie prognostiziert, dann werden aufgrund der Überbevölkerung Konflikte ausbrechen und die Ressourcen schneller ausgebeutet werden. Dann wird auch das BIP nicht so stark steigen wie angenommen, der Energieverbrauch und die Emissionen werden zurückgehen. Im Endeffekt wird das BIP so hoch sein wie in der Prognose, aber mit geringerem Pro-Kopf-Einkommen. Die Fertilität ist also für die globale Zukunft nicht so entscheidend wie vermutet.

Steigt die Produktivität langsamer als erwartet, wird die Tragfähigkeit des Planeten weniger in Anspruch genommen, aber die Armut wird hartnäckiger anhalten.
Steigt die Produktivität schneller als erwartet, dann steigen auch der Energieverbrauch und die Emissionen. Die Reserven d der fossilen Brennstoffe sind schneller erschöpft. Es ist dann aber auch mehr Geld zur Verfügung, um es wirksam in ökologische Aufgaben zu investieren. Und die früher auftretenden gravierenden Umweltschäden werden die Menschheit dann vielleicht früher dazu motivieren, endlich tatkräftig etwas zu unternehmen.

2014: Aktueller Bericht des Weltklimarates: http://www.ipcc.ch/


1 Das Diagramm wurde erstellt aufgrund der Daten, die J. Randers in der Datei www.2052.info/wp-content/uploads/2013/12/g121101-3pm-Website-2052.xlsx zur Verfügung gestellt hat.